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Das Weinparlament

23. Februar 2011

Es kann nicht immer Wein sein

Autor: | Zeit: 17:54 Uhr | Rubrik: Essen & Trinken

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Auch lecker!

3. Februar 2008

Wie Phönix aus der Asche

Autor: | Zeit: 10:21 Uhr | Rubrik: Wein, Essen & Trinken

Das Vecchia Roma in Essen ist wieder da!

Geraume Zeit gehörte das Vecchia Roma zu einer der ersten Anlaufadressen in Essen, wenn es um italienische Kochkunst auf hohem Niveau ging. Doch im letzten Jahr nahm die Qualität merklich ab, so dass der Weinschreiber das sonst so schöne Restaurant eigentlich schon verloren gab. Grund hierfür waren die Ambitionen des Inhabers Manuel D’Incicco, neue gastronomische Wege in neuer Umgebung gehen zu wollen und das Vecchia Roma dadurch etwas zu vernachlässigen.
Die Ambitionen sind verschwunden und das Vecchia Roma somit wieder in festen Zügeln. Und das merkte man direkt beim ersten Besuch nach der enttäuschenden Vorstellung zuvor.
Neues Ambiente, zuvorkommende Bedienung, reichlich Platz. Auch das überarbeitete Speisenkonzept kann sich sehen lassen. Zwar gibt es auch weiterhin die Gerichte in normaler Portion. Viel interessanter erschein jedoch die große Auswahl an Assagini, kleinen Portionen also, die es erlaubten, sich quer durch die Kochkünste des Vecchia Roma zu probieren. Seien es die gebratenen Jacobsmuscheln auf Knoblauch—Limonensauce, die Muscheln in leichter Tomatenjus, das Roastbeef von der Barbarie Entenbrust auf gegrilltem Radicchio, die in Barolo geschmorten Kalbsbäckchen oder die Schwarze Linguine mit Seeteufel und Jacobsmuscheln – alles auf den Punkt gegart und geschmacklich vorzüglich.
Der dazu gereichte Château Saint-Pierre 1990 zeigte sich ebenfalls von seiner besten Seite: Wunderbar ausgereift, eine sich herrlich entwickelnde Aromenstruktur, mit sehr schön eingebundenen, mürben Tanninen und feiner, süßer Frucht. Jetzt perfekt zu trinken und ein echtes Weinerlebnis. 92 Ingo-Punkte.
Auch die weitere Weinkarte liest sich gut. Was hierbei vor allem auffällt, ist die sehr fairpreisige Kalkulation der Weine. Hier kann man noch echte Schnäppchen machen.
Als Fazit lässt sich festhalten, dass das Vecchia Roma wieder zu den besten Adressen italienischer Kochkunst in Essen gezählt werden darf. Und das zu Preisen, die es auch Normalsterblichen ermöglicht, einen wunderbaren Abend in Essen-Frintrop zu verbringen.

23. Juli 2007

Unvergessliche Abende

Autor: | Zeit: 19:55 Uhr | Rubrik: Wein, Essen & Trinken

Das war mal ein richtig schöner Samstag! Eingeladen von einem Weinfreund ging es Richtung Grenze zu den Niederlanden. Zwar nicht ganz rüber, aber schon nahe dran. Geplant war eine nette Grillrunde und ein Tag des offenen Weinkellers. Also ein Motto, wie es schöner nicht sein konnte: Genuss aus allen Rohren!
Nach einem sonnigen Tag vor, durch und hinter der Grenze wurde am späten Nachmittag „Feuer Frei“ gegeben, nicht ohne natürlich mit einem ersten Glas frischen Rieslings das Kommende adäquat einzuläuten.
Die enorme Menge des vorhandenen Grillguts ließ kurzfristig die Befürchtung aufkeimen, dass das Argentinische Rind neuerdings zu den bedrohten Tierrassen gezählt werden muss. Hier zählt nun wohl erstmal vorsichtiges Nachzüchten, denn was im Verlauf des Abends auf den Grill geworfen wurde, hatte schon Herdencharakter.
Was dann nach und nach in die Gläser kam, ist mehr als nur wenige Zeilen wert. Aber der Reihe nach:

Schloss Lieser: „Riesling trocken 2006“
Glasklare, frische Nase nach grünem Apfel, leicht herb wirkend, noch etwas grün, jedoch mit gutem Biss. Am Gaumen mit sehr schöner Mineralik, feingliedriger Struktur, gutem Biss und mittlerer Länge. Ein sehr schöner Auftakt! 82 Ingo-Punkte.

Manz: „Oppenheimer Sackträger Riesling Spätlese trocken ‚M’ 2002“
Leicht rauchig wirkend, speckige Note, feine Reifenoten. Dann auch getrocknete Früchte. Am Gaumen mit sehr eleganter Struktur, wieder etwas Speck, einer feinen Säureummantelung und gutem Druck. Im Abgang wieder rauchig und mit mittlerer Länge. 86 Ingo-Punkte.

St. Urbanshof: „Ockfener Bockstein Riesling Kabinett 2006“
Eine reine Pfirsichbombe! Herrlich zu schnuppern! Sehr druckvolle Nase, kraftvolle Frucht, sehr rein und klar strukturiert. Am Gaumen mit sehr schönem Druck, wieder Pfirsichnoten dominierend, mit toll eingebundener Säurestruktur. Ein sehr elegant-ausgewogener Wein mit schönem Schmelz und sehr guter Länge. 88 Ingo-Punkte und wieder einmal der Beweis, dass guter Wein keine Alkoholbombe sein muss. Denn mit gerade einmal 9% vol. ist der Ockfener Bockstein ein echtes Leichtgewicht.

Schloss Lieser: „Riesling 2006“
Glasklare, exotisch anmutende Nase, Maracuja vorne, dann auch reifer Apfel. Später auch Aprikose und Ananas. Sehr saftig, süffig, mit wunderbaren Fruchtaromen. Am Gaumen sehr sauber, schöner Druck, tolles Zusammenspiel von Frucht und Säure und langes Finish. 88 Ingo-Punkte.

Fattoria Ispoli: „Chianti Classico Riserva 2000“ aus der Magnum genossen.
Sehr typische Nase, rote Beeren, Tabak, feinwürzig in seinem Charakter. Dann auch Pflaume, Blaubeere. Am Gaumen mit einer sehr eleganten Säurestruktur, herrlich mürben Tanninen und einer geradlinigen, trockenen Struktur. Sehr schöner Biss, hinten heraus auch noch Aromen von Kakao und Liebstöckel. Auch im Abgang schön lang! 90 Ingo-Punkte.

Barone Ricasoli: „Casalferro 1997“
Wieder so ein gut gelungener Italiener! Aromen von Amarenakirsche, Liebstöckel, Marzipan. Später gesellt sich auch Brioche hinzu. Die mürben Tannine, verbunden mit einer feingliedrigen Säurestruktur und einer ausgewogenen Fruchtigkeit machen den Wein zu einem herrlichen Erlebnis. Auch das Finish ist von sehr schöner Länge. 93 Ingo-Punkte.

Mont du Troit: „Le Sommet 1998“
Dann diese Aromenbombe. Le Sommet hat von allem etwas: Süße, dunkle Waldbeeren, Brombeeren, Blaubeeren, Pflaume, Piemontkirsche. Dann auch Leder, Toffée, Kaffee, Zedernholz, pfeffriger Rauch. Ein ungemein komplexer, vollmundiger Wein, ein elegantes Powerteil, leicht erdig-torfig wirkend, Marzipan, Druck pur. Finessenreiche Wucht sozusagen. Ich notiere zum Abschluss: Denkwürdig langer und wunderbar ausgewogener Abgang. 97+ Ingo-Punkte.

Carruades de Lafite 1996
Klassischer Babymord. Aber was da mal kommen wird, konnte die Runde schon heuer erkennen. Reifes Holz im Vordergrund. Aber dahinter rote und dunkle Beeren, Graphit, Olive, weißer Pfeffer. Sehr extraktreich, fast cremig in seiner Struktur, mit sehr schönen Röstaromen, vor allem geröstetes Brot. In seiner gerade zugenagelten Phase schwer zu bewerten Trotzdem 90++ Ingo-Punkte.

Hundsdorfer: „Cabernet Sauvignon 2002“
Da wurde ein wenig diskutiert. Nicht über die Qualität! Da war man sich einig. Die stimmte absolut. Nur diese winzig kleine Klebstoffnote. War sie nun da oder nicht? Der Chronist hat hier die Tasten in der Hand und hat diese Note vernommen. Also: Ja. Daneben aber sehr schöne Aromen von Pflaume, Kirsche, Cassis und Blaubeere. Konzentrierte Schokoaromen gesellen sich hinzu. Mit der Zeit gewinnt der Wein ungemein an Struktur im Glas hinzu. Eigentlich auch etwas sehr jung – aber die Neugier siegt. Auch die Pattexnote schwindet mit der Zeit von dannen. Im Finale dann leicht lakritzige Noten. Das wird auch noch ein Hammerteil! 90+ Ingo-Punkte.

Château Pichon Longueville Comtesse de Lalande 1997
Der letzte, schriftlich festgehaltene Wein des Abends. Cassis, Liebstöckel, Blaubeere. Dann auch feines Holz. Am Gaumen mit einer kräftigen Säurestruktur, einer feinen, frischen Vanillenote und einer insgesamt knackigen Charakteristik. Im weiteren Verlauf dominieren zunehmend Cassis und der Hauch frischen Holzes. Der zu Beginn mittellange Abgang gibt sich zum Schluss auch noch mehr Mühe, so dass der Wein noch richtig Spaß macht. 90 Ingo-Punkte, verbunden mit der Vorfreude auf noch einige andere 97er, die derzeit auf den Korkenzieher warten. Der Jahrgang hat absolut seine – klassische – Daseinsberechtigung!

Nach der roten Weinorgie gab es noch Edelsüßes im Glas. Nur fehlen dem Chronisten hierzu die Aufzeichnungen. Irgendwann geht es einfach nur noch ums Genießen. Auch ein Weinschreiber legt den Stift ab und zu mal zur Seite. Besonders dann, wenn der Abend so wunderbar war, wie der letzte Samstag.

Dem Gastgeber sei an dieser Stelle der herzlichste Dank für die schöne Organisation, die kredenzte Rinderfarm und die hervorragenden Weine ausgesprochen. Revanche folgt!

CU

1. April 2007

Neuentdeckung

Autor: | Zeit: 20:46 Uhr | Rubrik: Wein, Essen & Trinken

Das Wochenende steht auch bei Weinschreibers öfter mal im Zeichen der kulinarischen Entdeckungstour. So auch an diesem Wochenende, bei dem der Zufall allerdings ordentlich nachhelfen musste. Das erste - und auch ursprünglich anvisierte - Restaurant wurde nicht gefunden, das zweite ausgewählte hatte geschlossene Gesellschaft. Also wurde ad hoc eine neue Adresse gesucht. Und gefunden. Das Casa Lodato in Essen Kettwig. Dass dies ein absoluter Glücksgriff werden sollte, konnte man schon fast beim Betreten des Restaurants erkennen. Viel Liebe zum Detail, eine heimelige Athmosphäre und eine sehr freundliche Begrüßeung motivierten zum Ausprobieren.
Die Karte war vom Umfang her eher übersichtlich gehalten und wurde ergänzt durch eine auf Kreidetafel präsentierte Tageskarte. Da dort aber nicht sämtliche kulinarischen Wünsche abgedeckt wurden, half ein Nachfragen. Speziellen Wünschen gegenüber ist man im Casa Lodato nämlich absolut offen. Schnell wurde das passende Menü zusammengestellt und durch vinophiles Rahmenwerk perfektiniert. Hier hilft sicherlich die angeschlossene, kleine Vinothek, die eine zwar überschaubare, dafür jedoch hervorragend sortierte Weinauswahl präsentierte. Gerade einmal 10 € Korkgeld zum Verkaufspreis sind ein nach Meinung des Weinschreibers mehr als fairer Preis für Flaschenweine. Sassicaia, Ornellaia und co. mit eingeschlossen.
Die Qualität der Speisen, das freundliche, ungezwungene Personal und der hervorragende Gesamteindruck machen dieses Restaurant zu einem absoluten Favoriten in Weinschreibers kulinarischem Kompass! Top-Tipp!
CU

14. September 2006

Gammelfleisch II

Autor: | Zeit: 10:20 Uhr | Rubrik: Der alltägliche Wahnsinn, Essen & Trinken

Ein zweiter Text vom Weinschreiber beleuchtete das Problem ebenfalls von einer anderen Seite:

———————————————-

Konsum im 21. Jahrhundert (aus Bargatzky’s Weinblogg vom 05.02.2006)

Wir leben im Jahr 2006. Die ganze Welt ist von Discountern erobert.
Die ganze Welt?
Nein! Denn eine kleine Schar von Konsumenten gibt die Hoffnung nicht auf, dass die mediale Öffentlichkeit noch viel intensiver über die Missstände in Fragen der Lebensmittelqualität berichtet. Über Missstände, die vor allem bei den Discountern aufgedeckt werden. Doch diese Schar ist klein. Und scheint gegen Windmühlen kämpfen zu müssen. Aber es gibt ein passendes Sprichwort: Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.
Doch um welchen Kampf geht es denn überhaupt?

Die Menschen des 21. Jahrhunderts sind zu Konsumenten erzogen worden, die ganzjährig, Tag für Tag, genau das verlangen, was vor gar nicht allzu langer Zeit noch das Besondere war. Der Sonntagsbraten bekam einst seinen Namen, weil der Sonntag der kulinarisch besondere Tag der Woche war. Heute ist der Sonntagsbraten mit dem Montagsbraten, dem Dienstagsbraten, dem Mittwochbraten, dem Donnerstagsbraten, dem Freitagsbraten und dem Samstagsbraten gleichzusetzen. Ebenso verhält es sich mit vielen weiteren Lebensmitteln, deren saisonales Vorhandensein mittlerweile durch den Einsatz künstlicher Mittel, von Gewächshäusern oder durch Genmanipulation aufgeweicht worden ist. Natürlich gibt es nun ganzjährig Erdbeeren, Tomaten, Orangen und Äpfel. Der Konsument verlangt es so, der Konsument bekommt es so. Aber bitte nicht wundern, dass die Tomate nicht mehr nach Tomate schmeckt. Das wäre dann ja doch etwas viel verlangt!
Denken Sie mal darüber nach: Früher gab es einen Braten pro Woche, heute sind es sieben. Sie meinen, das sei übertrieben? In jedem Döner, jedem Hamburger, jedem Gyros steckt Fleisch in Unmengen. Das gilt es auch zu berücksichtigen!
Also gehen wir mal davon aus, dass die Bevölkerung seit den Zeiten des bewussten Konsums, also des real existierenden Sonntagsbratens, um 20% zugenommen hat. Gehen wir gleichzeitig mal davon aus, dass sich der Fleischverbrauch pro Kopf versechsfacht hat. Ich will ja nicht übertreiben, vielleicht gibt es ja wirklich einen fleischfreien Tag pro Kopf und Woche. Dann müssen die das deutsche Volk versorgenden Bauern mittlerweile das 7,2-fache an Fleisch produzieren, als noch vor wenigen Jahren.

Und jetzt die entscheidende Frage: Wie soll das klappen?
Wir können getrost das Bild glücklicher Tiere vergessen, die friedlich weidend frohe Tage auf der Alm verbringen. Das klappt so nicht. So viele Alpen gibt es gar nicht, als dass dort genügend Vieh gehalten werden könnte. Die Lösung heißt Massentierhaltung. Und ordentlich Antibiotika. Eine Spritze am Tag macht kräftig, saftig, schneller fertig.
Ups! Beinahe vergessen! Antibiotika wirkt bei übermäßiger Einnahme nicht mehr, wenn es mal wirklich wirken soll. Und wenn wir „geschöntes“ Fleisch essen, nehmen wir zwangsläufig diesen Wirkstoff zu uns. Ein Teufelskreis, meine Damen und Herren!

Was hat das jetzt alles mit Wein zu tun? Schließlich heißt dieses Blog ja Bargatzky’s Weinblogg. Der Zusammenhang liegt näher, als der eine oder andere Leser vermuten mag.
Wein wird mittlerweile auch zunehmend von den Discountern angeboten. Der größte Teil der in Deutschland gekauften Weine findet seine Abnehmer bei Aldi, Lidl, Plus und co. Bei den Ladenketten, die tausendfach in Deutschland vorhanden sind. Und die alle mit Wein beliefert werden wollen.
Und da fängt es an, weh zu tun. Denn die Anbaufläche in Deutschland ist beispielsweise nicht im gleichen Maße gewachsen, wie der Weinabsatz. Wo früher noch Wert auf Qualität gesetzt wurde, muss heute zwangsläufig Quantität erwirtschaftet werden. Beides zusammen geht nicht. Will ein Winzer Qualität, muss er die Kraft der Rebe auf möglichst wenige Trauben verteilen. Das wird in der Regel durch den so genannten Rebschnitt erreicht, also durch die Reduktion, das Wegschneiden eines großen Teils der am Rebstock hängenden Trauben. Das bedeutet aber gleichzeitig auch, dass weniger von diesem Wein produziert wird.
Aber das interessiert den Großabnehmer nicht. Er braucht möglichst viele Flaschen ein und des selben Weins. Schließlich will der Konsument an jedem Tag in der Woche in allen Ladengeschäften des Discounters die Möglichkeit haben, den Wein in ausreichender Menge vorzufinden.
Die Frage beantwortet sich fast von selbst: Kann ein nach solchen Maßstäben erzeugter Wein qualitativ hochwertig sein?

Doch zurück zum Ausgangspunkt dieses Essays. Es ist ein Kampf. Ein Kampf dafür, die Konsumenten wieder an den Gedanken der Qualität zu erinnern. Sie daran zu erinnern, dass es nicht nur den Discounter gibt. Sondern darüber hinaus auch noch den Fachhändler. Und die Wahrscheinlichkeit, Qualitätsprodukte beim kleinen Einzelhändler zu finden, ist ungleich höher, als einige Medien es uns weismachen wollen. Geben wir Konsumenten den Menschen eine Chance, die sich für Qualität einsetzen. Kaufen wir lieber weniger, dafür besser ein. Schauen wir beim Fachhändler, ob er Vergleichbares nicht auch anbietet.

Denn stellen Sie sich vor, es gäbe den Einzelhändler nicht mehr. Wer sollte dann mit seinem Namen für die Qualität seiner Produkte eintreten? Wer sollte persönlich auf das Wohl einer Kunden bedacht sein? Wer soll denn einen ausgefallenen Wunsch erfüllen?

Die Discounter ringen seit geraumer Zeit um Marktanteile. Diese erobern sie nur dann, wenn sie billiger sind, als die Konkurrenz. Gespart wird dann an der Qualität der Produkte. Denn anders kann das System gar nicht funktionieren. Denn ein Discounter ist kein Sozialamt. Oder warum sind die Aldi-Gründer die reichsten Deutschen geworden?

———————————————-

Ob die Zahlen jetzt absolut korrekt sind, spielt keine Rolle. Deutlich wird jedoch, dass es das Konsumverhalten von heute nicht mehr zulässt, gewünschte Produkte in ausreichender Masse qualitativ hochwertig anzubieten. Das ist Fakt. Leider.

CU

Gammelfleisch

Autor: | Zeit: 10:14 Uhr | Rubrik: Der alltägliche Wahnsinn, Essen & Trinken

Das Unwort der letzten Tage zieht immer größere Kreise: Gammelfleisch. Überall in Deutschen Landen finden Kontrolleure vergammeltes Fleisch, stinkenden Fisch und verfaultes Gemüse. Und ganz Deutschland schreit auf. Da fällt mir nur noch eines zu ein: Scheinheilig. Und gleich erinnere ich mich an vergangene Diskussionen über den Wert der Ware, über deutsches Einkaufsverhalten. Und an eine Hommage an den Fachhandel, welche ich am 28.12.2005, also vor fast einem dreiviertel Jahr verfasst habe. Aber lesen Sie selbst:

Eine Hommage an den Fachhandel (aus Bargatzky’s Weinblogg vom 28.12.2005)

Wie oft gerät man im Leben in Situationen, bei denen man nicht mehr weiter weiß und auf die Hilfe von Menschen angewiesen ist, die etwas vom entsprechenden Metier verstehen? Selbst die Werbung weist uns regelmäßig darauf hin, dass man jemand fragen sollte, der etwas davon versteht. Doch warum muss überhaupt dafür geworben werden?

Die Antwort liegt auf der Hand: Geiz ist geil. Geil vor allem für den deutschen Konsumenten. Geil, weil dann mehr Geld für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens übrig bleibt. Wie für die wöchentliche aufwändige Reinigung des heiß geliebten Autos. Oder für die Anschaffung der neuesten Wohnzimmertechnik. Oder für noch ein Accessoire, noch eine DVD, noch eine Mediamarkt-Saturn-Discounter-Anschaffung.

Gespart wird dann natürlich an den unwichtigen Dingen des Lebens. Ganz vorne auf der Streichliste sind Lebens- und Genussmittel. Warum auch auf das Fleisch verzichten, wenn man es beim Discounter geradezu hinterher geworfen bekommt? Und der Fleischskandal findet sowieso überall statt – aber doch nicht bei dem Discounter meines Vertrauens! Genauso verhält es sich mit dem Obst, dem Gemüse oder dem Fisch. Belastet? Wer oder was wird denn hier belastet? Mein Portemonnaie jedenfalls nicht. Schadstoffe? Schmecke ich nicht. Gibt’s also nicht.

Billig will ich! Sonst zählt nix! Warum auch – wie vor einigen Jahren noch üblich – nur ab und zu mal Fleisch auf den Tisch? Wo es doch jetzt täglich möglich ist! Woher das ganze Fleisch kommt, kann doch egal sein. Strom kommt schließlich auch aus der Steckdose.

Es lebe der Discounter! Nieder mit dem Fachhandel! Wozu brauchen wir den Menschen, den man fragen könnte, wisse man nicht mehr weiter? Das ist doch alles Humbug! Der Fachhandel will doch nur mehr Geld für gleiche Leistungen! Das sind die Abzocker! Da lobe ich mir doch meinen Discounter! Großhandelspreise! Das ist, was zählt! Geld! Geld! Geld! Ich will sparen! Nur nicht in der Quantität!

Ja, woran denn dann?

Was bleibt, ist die Qualität. Nur das wird gerne ignoriert. Getreu dem Motto der drei Affen – nichts sehen, nichts hören, nichts sagen – verhalten wir uns auch beim Konsum. Ökologisch saubere Lebensmittel? Sind zu teuer! Und wie soll ich denn die tägliche Fleischration bezahlen, hole ich sie beim Metzger und nicht bei Aldi, Lidl, Plus und Co.?

Tja, und jetzt fangen sie auch noch an, dem Fachhandel in die letzten Nischen rein zu hauen. Aldi verkauft Handytarife, Plus verkauft Häuser, Tchibo fast alles und Rossmann nun Grand Crus aus dem Bordeaux. Tja, lieber Fachhändler, wozu brauche ich Dich eigentlich noch? Was kannst Du, was die Discounter nicht können?

Beraten, unterstützen, Emotionen wecken. Und in die Geheimnisse der Produktwelt einweihen. Sich individuell auf Wünsche und Nöte des Kunden einlassen, Unmögliches möglich zu machen, Energie in die Erfüllung eines eigenen Lebenstraumes stecken.

Lieber Fachhändler, keine Sorge! Ich werde weiterhin versuchen, bei meinen Anschaffungen stets bei Dir vorbeizuschauen, um Dein Dasein zu sichern! Denn ich bin der Meinung, dass die Welt ärmer wäre ohne Dich! Mir würde etwas fehlen, wenn ich nur noch in den Angeboten der Discounter stöbern könnte. Mir würde das persönliche Gespräch fehlen, die Möglichkeit, das Produkt vor Kauf kennen zu lernen, den Wein zu verkosten, einen Probehappen von der Pastete zu kosten oder meine individuellen Wünsche zu äußern.

Ich gebe zu, ich habe keinen Goldesel im Keller, der mich zu einem reichen Menschen macht. Hätte ich ihn, würde ich alles beim Fachhändler kaufen. Daher sage ich mir: Lieber weniger, dafür besser. Ich muss nicht täglich drei Gänge zum Mittag haben, opulente Vesper oder den besonderen Tropfen. Aber wenn ich das möchte, dann richtig.

Ich bin mir auch bewusst, dass es viele Menschen gibt, die sich ein kostspieliges Leben überhaupt nicht leisten können. Ich verurteile die Discounter ja auch nicht in Gänze. Ich bin auch Konsument von Plus. So what! Aber ich weiß, wo ich die Beratung für die besonderen Genüsse des Lebens finde. Die ich mir auch nicht täglich leisten kann. Das Besondere soll ja auch das Besondere bleiben.

Der Genuss ist für mich ein ganzheitliches Phänomen. Er fängt beim Einkauf der Produkte an, geht über die Vorbereitungsphase bis hin zum Gaumenschmaus. Ich möchte bewusst erleben und die Sinne anregen. Auf dem Wochenmarkt die saisonalen Angebote prüfen, beim Metzger beraten werden, den richtigen Wein beim Weinhändler erstehen. Und das Gefühl haben, was Gutes gekauft zu haben.

Ach so! Muss ich noch meine Meinung zu den Menschen kundtun, die sich beim Fachhändler beraten lassen, um dann ihr Geld zum Discounter zu tragen? Dass sie sich das Wissen von den Leuten holen, die sich emotional mit ihrem Angebot identifizieren, derweil es dem durchschnittlichen Teilzeitverkäufer im Großhandel ziemlich schnuppe ist, ob mein Geld zu ihm oder irgendwohin wandert? Immerhin können so noch mal 3% gespart werden! Gute Beratung ist doch im Grunde eh nichts wert. Die bekomme ich auch aus den Fachzeitschriften, den Magazinen oder Tageszeitungen. Denn journalistisch sind die Discounterangebote bereits sehr gut erschlossen.

Aktueller denn je. Leider.
CU

29. Mai 2006

Essen in Hannover

Autor: | Zeit: 11:10 Uhr | Rubrik: Wein, Essen & Trinken

nullLetztes Wochenende verschlug es uns nach Hannover. Eigentlich ist dies keine besondere Meldung wert, hätten wir dort nicht am Freitag besondere kulinarische Genüsse erleben dürfen. Schuld daran war das Gallo Nero, ein Restaurant der absoluten Spitzenklasse.
Das rustikal-elegante Ambiente lud gleich beim Eintritt zum Verweilen ein. Das historische Fachwerkhaus und die darin integrierte klassisch-italienische Einrichtung fügten sich zu einer sehr harmonischen Gesamtheit, die - wie sich im weiteren Verlauf des Abends noch herausstellen sollte - den perfekten Rahmen für ein ebensolches Essen bilden sollte.
Die umfangreiche Weinkarte ließ keine Wünsche offen. Mit mehreren hundert Positionen wurde die italienische Weinlandschaft sehr umfangreich präsentiert. Wir entschieden uns für die Chianti Classico Castello di Fonterutoli Reserva aus den Jahrgängen 1998 und 1995. Zwei sehr eigenständige Chianti, die sich beide auf sehr hohem Niveau bewegen. Müsste ich mich heute für eine von den beiden entscheiden, wäre es wohl der 1995er, denn hier stimmte bereits aus der Flasche alles: Die Harmonie aus reifer Frucht und feinem Säurespiel, die gut eingebundenen Tannine und das sehr schöne Finale fügten sich perfekt mit dem Lammrücken unter der Olivenkruste auf Zuckerschoten zu einem Hochgenuss zusammen. Die Dessertvariaton schmeckte ebenso vorzüglich und auch der hochprozentige Abschluss in Form eines sehr feinen, milden Grappa (Sorte leider vergessen) rundeten das gastronomische Erlebnis ab. Das Team des Hauses war jederzeitsehr freundlich und voll auf der Höhe, ohne dabei in irgendeiner Form aufdringlich zu wirken.
Der Weinschreiber meint: Sterneverdächtiger Top-Tipp!
CU

7. Mai 2006

Weinseliges Essen

Autor: | Zeit: 17:04 Uhr | Rubrik: Wein, Essen & Trinken

Essen rüstet auf. Nein, nein! Das hat jetzt ausnahmsweise mal nichts zu tun mit der gewonnenen Wahl zur Kulturhauptstadt Europas im Jahr 2010. Die Freunde vinophiler Genüsse dürfen sich freuen! Denn in Rüttenscheid, Essens heimlichem Zentrum, gibt es mit dem Bliss seit kurzem eine sehr erfreuliche Alternative in der lokalen Gastronomieszene. Neben einer wirklich schönen Weinkarte wird hier auch eine kleine, aber feine Speisekarte angeboten. Gegessen haben wir dort heute nichts. Aber das wird sich sicherlich bald ändern! Denn nicht nur der sehr aufgeschlossene, nette und unaufdringliche Service machte Spaß. Auch das Ambiente lädt zum Verweilen ein. Der Patron des Hauses kennt sich auch noch aus in Sachen Wein. Weinfreakherz, was willst Du mehr!
Verkostet haben wir bei schönstem Wetter den Rheingauriesling vom Schloß Reinhartshausen, einen Crémant de Loire von Gratien sowie den Grauburgunder und Weißen Burgunder von Dr. Heger. Allesamt sehr schön passend zum Frühsommer, der sich am Wochenende endlich durchsetzen konnte. Mit meiner Frau in der Sonne sitzend sich den lukullischen Genüssen hingebend. Herrlich. Ein perfekter Tag.
CU

17. April 2006

Burgundische Weingenüsse

Autor: | Zeit: 12:17 Uhr | Rubrik: Wein, Essen & Trinken

Wie schon in früheren Postings angesprochen, konnte ich kürzlich einige intensive Eindrücke über die Qualitäten burgundischer Winzerskünste gewinnen. Dank der beiden freundlichen und perfekten Gastgeber und der gelungenen Weinauswahl wurde dieser Abend zu einem sehr angenehmen Ereignis. Doch nun zu den eigentlichen Hauptdarstellern, ergänzt durch eine bordelaiser Kreszenz aus dem fantastischen Jahrgang 1986.

Domaine M. Gaunoux: „Pommard Grands Épenots 1993 Premier Cru“
Der Wein schimmert in hellem Ziegelrot im Glas. Aromen von roten Waldbeeren und leicht staubige Noten dominieren. Dann gesellen sich mineralische Eindrücke, wie nasser Stein und Graphit hinzu. Am Gaumen von klarer Struktur gekennzeichnet, Aromen von Pflaume und knackiger Kirsche. Der Wein verfügt über noch sehr frische Gerbstoffe und einer kräftigen Säurestruktur, die auch den Abgang dominiert. Noch sehr jung. Im weiteren Verlauf entwickelt er sich zu einem kleinen Stinker. Zunächst 84 Ingo-Punkte, später auf 81 korrigiert.

Domaine de Courcel: „Pommard Grand Clos des Epenots 2000“
Leider Kork. Im Hintergrund deutet sich aber ein toller Wein mit intensiver Fruchtigkeit an. Schade. Keine Bewertung. :-(

Domaine Comte Armand: „Pommard Clos des Epenaux 2000“
Sehr saubere Nase, schöne Aromen von Amarenakirsche, süße rote Beeren. Am Gaumen mit sehr feinen Tanninen und toller Säurestruktur. Der Körper des Weins schmeichelt geradezu den Gaumen ein. Ein klassisch anmutender Burgunder, hinten heraus straight und mit einer im Abgang schön stehenden Frucht. Toller Wein! 87+ Ingo-Punkte.

Domaine de Courcel: „Pommard Les Rugiens Premier Cru 2001“
Ein mineralisch anmutender Wein, erinnert an Stein. Aromen von roten Früchten, Minze wird auch am Tisch genannt, für mich auch Nelke. Auch Kreide, Graphit. Ein sehr feingliedriger Tropfen mit schöner, süßer Frucht, Kirsche, Pflaume. Sehr filigran, vielleicht mit etwas wenig Opulenz. Im weiteren Verlauf macht sich auch eine sehr dezente Gemüsenote bemerkbar. Sehr gute Länge. 88 Ingo-Punkte.

Domaine Henri Gouges: „Nuits St. Georges Clos des Porrets 1996“
Dieser Burgunder verfügt über eine sehr schöne Nase nach reifen Kirschen, feinem Holz, insgesamt sehr sauber, reintönig. Ein feinwürziger Wein, fleischig in seiner Struktur, mit schönen Kräuternoten versehen. Auch Duft frischer Tannennadeln ist zu vernehmen. Am Gaumen mit sehr ausgewogener Struktur, tolle Säure, sehr saftig-kräftig. Die vorhandenen Gerbstoffe perfektionieren das Bild. Steht hinten heraus lange am Gaumen. Toll! 90+ Ingo-Punkte.

Domaine Henri Gouges: „Nuits St. Georges Les Vaucrains 2001“
Ein sehr mineralisch anmutender Wein, Schiefer, nasser Stein, dann herbe, rote Früchte. Feiner Holzeinsatz ist zu vernehmen, dann wieder Graphit. Ein sehr toller Saft mit kräftiger, guter Säurestruktur, straight. Auch im weiteren Verlauf von toller Säurestruktur getragener, fruchtiger Wein mit schönem Finale. 91+ Ingo-Punkte.

Domaine Henri Gouges: „Nuits St. Georges Clos des Porrets St. Georges 2003“
Der bisherige Höhepunkt der Verkostung. Sehr opulente Nase nach dunklen Beeren, Schokolade, Vanille, reifes Holz, Graphit. Ein kraftvoller Tropfen mit sehr guter Tannin- und Säurestruktur, teilweise staubtrocken wirkend, was jedoch nicht störend wirkt. Für mich ein fast schon untypisches, dickes Ding mit super Länge im Abgang. 94 Ingo-Punkte.

Domaine Ponsot: „Clos de La Roche Cuvée William 1989“
Dieser Wein ist ein Monument. Sehr schön ausgereifte Nase, reife Kirsche, feine Kräuter, Kaffee, später Anklänge von Tee (Hagebutte). Sehr feine Süße umschmeichelt den Gaumen, Aromen von hellen Trüffeln. Sensationeller Saft, extrem ausgewogen, tolle Aromatik! Und lang! 94+ Ingo-Punkte.

Joseph Drouhin: „Musigny 1974“
Anfangs machen sich Noten von Sherry breit, die dann allerdings zu Gunsten eines wunderbaren Weinerlebnisses verfliegen. Peu à peu macht sich eine wunderbar reife Frucht breit, Aromen von rotem Tee und feine Süße zeigen sich. Opulenz pur! Sehr harmonisch in seiner Struktur, reif, auf der Höhe, finessenreich. Ein tolles Weinerlebnis! 93+ Ingo-Punkte.

Domaine de Chevalier 1986
Dieser Wein überrascht mit einer frischen Fruchtigkeit nach roten Beeren, Kirsche. Sehr feingliedrige Säurestruktur. Ein toller Saft, dessen geradlinige Art wiederum an Tee zu erinnern scheint. Schiefrig-mineralisch, erinnert an Kreide, tolle Frucht! Und auch im Abgang voll überzeugend. 92 Ingo-Punkte.

Das waren die Weinerlebnisse des Abends, die geradezu perfekt durch die Kochkünste der Gastgeber ergänzt wurden. Ein unvergessliches Erlebnis, welches auch von einem Korker nicht geschmälert werden konnte.
CU

24. März 2006

Lange Erfolgsstory

Autor: | Zeit: 09:29 Uhr | Rubrik: Essen & Trinken, Und sonst...

Heute vor 250 Jahren sorgte Friedrich der Große mit seiner Circular-Ordre dafür, dass der Anbau der Kartoffel “ernstlich anbefohlen” wurde. Mit dieser Anordnung ebnete er den Siegeszug des beliebten Nachtschattengewächses.
Darauf erstmal eine Pommes. Rot-Weiß. Mit Currywurst! Lecker!
CU

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