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Das Weinparlament

24. Mai 2010

Das Geleucht

Autor: | Zeit: 20:15 Uhr | Rubrik: Ruhr 2010

Seit Herbst 2007 erhebt sich auf der Halde Rheinpreussen in Moers-Meerbeck ein weithin sichtbarer ca. 30 m hoher Lichtturm, welcher in seiner Form an die Grubenlampe erinnert, welche die Bergleute früher für Arbeiten unter Tage benötigten.

Dieses Kunstwerk symbolisiert die Industrien, die die das Land an Rhein und Ruhr geprägt haben: die Steinkohlenbergwerke, die Eisenhütten und Stahlwerke, mit einem Wort: die Montanindustrie.

Und heute fand im Rahmen der Veranstaltungen zur Kulturhauptstadt Europas das Bergfest auf der Halde statt. Bei perfektem Wetter, stimmungsvoll – einfach schön.

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23. Mai 2010

Bordeaux 1997 – viel besser als sein Ruf!

Autor: | Zeit: 22:38 Uhr | Rubrik: Wein

Lauter nette Weine
Der Weinschreiber muss doch mal eine Lanze für Bordeaux 1997 brechen. Was wurde nicht alles über diesen Jahrgang geschrieben! Die Weine seien schon über den Zenit, es sei ein wirklich schlechter Jahrgang, die Weine seien völlig überteuert, es gib so viel Besseres auf dieser Welt und, und, und.

Stimmt nicht. Zumindest nicht im Jahr 2010. Denn dank solcher Aussagen gehören die 97er heute zu den Weinen, die der geneigte Weinliebhaber kaufen kann, ohne beim Bezahlen einen Trauerflor anlegen zu müssen.

Der Weinschreiber hatte gestern die Möglichkeit, 17 Weine der Region aus besagtem Jahrgang verkosten zu können. Vom zweiten Cru bis hin zu nicht klassifizierten Weinen. Natürlich gab es bei dieser Probe auch Weine, die getrost in die Kategorie Na Ja einzuordnen sind. Aber bei der großen Mehrheit der Weine waren alle Probenteilnehmer von der hohen dargebotenen Qualität der Tropfen überrascht. Dem Weinschreiber eingeschlossen.

Die Location war hervorragend: Ein schöner Gewölbekeller, gerade groß genug, um mit 10 Personen einen entspannten Abend zu verleben. Die Stimmung war toll, so dass auch die ersten beiden Weine dem Weinschreiber nicht zum Verhängnis wurden.

Château Pedesclaux 5ème Grand Cru Classé – Pauillac
„Das Leben ist zu kurz, um Pedesclaux zu trinken“. Dieser Spruch stammt von Rene Gabriel, einem der international einflussreichsten Weinkritiker. Man darf ihm getrost vertrauen. Was da ins Glas kam, war muffiger Mist. Aber es handelte sich um Wein. Immerhin. 70 Ingo-Punkte.

Château Paradis Casseuil - Entre-Deux-Mers
Moment mal! Das sollte ein Bordeaux sein? Blind hätte ihn jeder in der Runde sofort als Pinot Noir eingestuft und ins französische Burgund geschoben. Selbst die doch sehr helle Farbe deutete auf einen Burgunder hin. Doch ohne Zweifel handelte es sich hierbei um einen Wein aus der bordelaiser Region zwischen zwei Meeren. Im Aroma rotbeerig, Johannisbeere, mit feinen, bereits gut eingebundenen Tanninen und einer animierenden Säurestruktur. Leicht erdig, guter Saft – burgundisch eben. Macht aber auch in einer Bordeauxprobe Spaß. 84 Ingo-Punkte.

Château Beaumont Cru Bourgeois - Haut-Médoc
So konnte man Bordeaux 1997 erwarten. Klassisch, erdig anmutend, Aromen roter und dunkler Beeren. Nett, aber nichts von nachhaltiger Bedeutung. Kann man trinken, muss man aber nicht. Aber schön, dass die Erwartungen schon beim Beaumont erfüllt waren. Denn da kam noch Besseres ins Glas. Beispielsweise der nächste Wein. 86 Ingo-Punkte.

Château Camensac 5ème Grand Cru Classé - Haut-Médoc
Wunderbar ausgereifter Wein, rotbeerige Nase, süße Kirsche. Am Gaumen komplex, mit schönem Druck und fast seidigen Gerbstoffen. Hier fing der Abend an, auch im Glas schön zu werden. 89 Ingo-Punkte.

Château Léoville-Barton 2ème Grand Cru Classé - Saint-Julien
Wer den Weinschreiber kennt, kennt auch diesen Wein. Der gehört nämlich zu den absoluten Lieblingen des Autors. Denn hier passen Preis und Leistung noch überein! Jahr für Jahr produziert Léoville Barton Weine der Extraklasse – auch in schwierigen Jahren. Und auch der 97er hielt, was das Etikett versprach: Tolle komplexe Nase, Cassisnoten dominieren schöne intensive Aromen, süße volle Beerenfrucht. Am Gaumen mit sehr schönem Schmelz, wieder viel Beerenaromen, mit wunderbarem Schmelz und langem Abgang. Jetzt und die nächsten drei bis fünf Jahren wunderbar zu trinken. 91 Ingo-Punkte.

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Château Angelus 1er Grand Cru Classé B - Saint-Emilion
Der erste Wein vom rechten Ufer, also dort, wo es mit der Klassifizierung von 1855 nicht weit her ist. Daher ist Angelus zwar eine richtige Granate im Glas – nur 1855 leider nicht auf dem berühmten Stück Papier mit der Grand Cru Classé Klassifizierung erwähnt. Macht nichts, denn guter Wein geht auch ohne Napoleonisches Zertifikat.
In der Nase zeigt sich der Angelus sehr erdig, ätherisch, mit deutlichen Nuancen von Menthol, dann aber auch Trüffel, Olive wurde auch erwähnt, Pflaume, Toffee. Ein fleischiger Wein, erdig wirkend, mit Resten körniger Tannine versehen, tendenziell rustikal und wunderbarer Länge. 93 Ingo-Punkte.

Château Figeac 1er Grand Cru Classé B - Saint-Emilion
Figeac in der Jugend kann schon mal eine kleine Stinkbombe im Glas sein. Der Wein ist irgendwie schon eine kleine Diva, die sich aber an der Luft zu einem hervorragenden Tropfen entwickeln kann. So auch hier. Zwar ist ein 13jähriger Wein nicht mehr wirklich jugendlich, im Bordeaux aber auch noch nicht wirklich alt. Also Zapfen raus aus der Flasche, schnuppern und – logisch – Stinker finden. Standard. Aber mit der Zeit entwickelte sich ein Wein, der zunehmend die zunächst sehr verhaltene Frucht frei gab, sich dann rotbeerig, erdig präsentierte. Auch am Gaumen mit sehr schöner, animierender Säurestruktur, viel Schmelz und sehr schöner Länge. Lecker! 92 Ingo Punkte.

Château Pavie 1er Grand Cru Classé B - Saint-Emilion
Pavie zählt – wie auch Angelus und Figeac – zu den großen Weinen aus dem Saint-Emilion. Daher war es auch sehr schön, die drei in einer Reihe hintereinander zu verkosten. Und auch der Pavie machte keine Zicken, sondern zeigte sich von seiner Sonnenseite. Sehr konzentrierte Nase, schokoladig, süßes Beerenkonfit, üppig. Auch am Gaumen konzentriert, komplex, mit mürben Tanninen ausgestattet. Schöner Schmelz und ein elegantes, feines Finale. Der Pavie spielte sein großes Potential nicht voll aus, konnte aber auch schon so voll überzeugen. 92+ Ingo-Punkte.

Château l’Evangile - Pomerol
Nun also pomerolsches Evangelium im Glas. Und der Wein hat offensichtlich eine gute Portion besten Segens von Oben mitbekommen. Denn hier zeigte sich eindeutig die Nase des Abends! Fast verschwenderische Frucht, dicht, konzentriert, dunkle Beeren vorne, dann aber auch feine erdige Noten, süße Kirsche, hyperelegant. Auch am Gaumen geradezu perfekt ausbalanciert wunderbare Säurestruktur und beeindruckende Opulenz. Ein enormer Wein, der komischerweise relativ schnell relativ leer war. Wer noch Flaschen von diesem Wein bekommen kann, sollte zugreifen! 95 Ingo-Punkte und breite Zustimmung am Tisch sprechen hier eine deutliche Sprache – oder?

Château Pape Clément - Pessac-Léognan
Tja, nach dem Evangelium hatte es Papst Clément nicht wirklich leicht. Aber auch er gab sich keine Blöße und verschaffte den Anwesenden erneut Trinkvergnügen im Glas. Göttliche Fügung übrigens auch, dass an diesem Abend kein (eindeutiger) Korkschmecker vorkam – auch wenn der Muffton des Pedesclaux und der burgundische Bordeaux zu kurzen Diskussionen führte.
Der Pape Clément präsentierte sich mit schönen Röstaromen, Noten von Holz, Tabak, Leder. Aber auch rote Frucht, Johannisbeere war mit dabei. Am Gaumen mit einer kräftigen, jedoch sehr guten Säurestruktur, feinen Tanninen, schönem Schmelz und gutem Druck. Sehr schöner Abgang! 91 Ingo-Punkte.

Château Phélan Ségur Cru Bourgeois Exceptionnel - Saint-Estèphe
Phélan Ségur ist eigentlich auch stets eine sichere Bank in Sachen Qualität. Zwar sucht man auch dieses Château in der 1855er Klassifikation vergebens. Doch sagt diese Klassifikation logischerweise schon länger nicht mehr viel über die Qualität der eingestuften Weine aus, ist sie doch mit einer Ausnahme über die letzten 155 Jahre unverändert geblieben. Besser war da die Cru Bourgeois Klassifikation – zumindest, so lange sie noch galt. Einige Châteaux, die sich in der Klassifizierung nicht ausreichend gewürdigt sahen, erreichten ein juristisch herbeigeführtes Zu Grabe Tragen der Klassifikation. Seitdem darf sich – mehr oder weniger – jede Weinlaube Cru Bourgeois nennen. Eine Aussage über die Qualität liefert die Bezeichnung heute allerdings nicht mehr wirklich. Doch bei Phélan Ségur darf man getrost Vertrauen in den Flascheninhalt legen. So auch beim 97er.
In der Nase zeigte sich Rauch, toastige Noten, dann auch rote Beeren. Fleischiger Saft, sehr druckvoll, feinwürzig, torfig. Aber auch wieder rotbeerige Fruchtkomponente. Ein schöner Wein mit sehr gutem Abgang. 91 Ingo-Punkte.

Château Cos d’Estournel 2ème Grand Cru Classé - Saint-Estèphe
Wenn sich die Diskussion um die erste Liga der Grand Crus dreht, ist ein Name so gut wie immer dabei: Cos d’Estournel. Der Wein überzeugt Jahr für Jahr seine Fangemeinde. Diese wird allerdings auch Jahr für Jahr kleiner. Nicht weil die Qualität des Weins nachlässt, sondern weil die Quantität der Krötenwanderung exorbitant zunimmt. Die Besitzer von Cos wissen um die Qualität des Weins und teilen dies ihren Kunden über die Gestaltung des Preisetiketts deutlich mit. Grund genug für einige, sich nach günstigeren Alternativen umzuschauen. Aber der 97er war noch bezahlbar. Und gut, dass er bei der Probe dabei war.
Der Cos präsentiert sich rustikal, erdig, torfig, mit Aromen dunkler Beeren. Würzige Noten gesellen sich hinzu. Am Gaumen rein, reif, mit schönem Schmelz ausgestattet. Auch der Abgang zeichnet sich durch sehr gute Länge aus. 91 Ingo-Punkte.

Château Rauzan-Gassies 2ème Grand Cru Classé – Margaux
Ein zweites Cru, auch noch aus der Appellation Margaux – und in Proben kaum anzutreffen. Zu schlecht ist sein Ruf. Und entsprechend verhalten war die Erwartung an diesen Wein. Aber auch hier wurden die Erwartungen mehr als erfüllt!
In der Nase zeigte sich der Rauzan-Gassies zunächst vegetabil, mit Noten von Menthol, dann aber auch dunkelbeerig und durchaus auch mit einer schönen Opulenz ausgestattet. Am Gaumen beerig, feinwürzig, etwas Johannisbeere, mit einem charmanten, eleganten Finale. 90 Ingo-Punkte verbunden mit der Gewissheit, dass am Ende des Tages nur eines zählt: Der Selbstversuch.

Hinten Pouget, vorne WeinnotizenChâteau Pouget 4ème Cru Classé – Margaux
Das Château Pouget gehört zu den unbekannteren Weingütern der Appellation Margaux. Dies dürfte unter anderem auch daran liegen, dass Pouget jährlich ca. 60.000 Flaschen auf den Markt wirft. Zum Vergleich: Mouton Rothschild produziert alleine von seinem Erstwein bis zu 300.000 Flaschen pro Jahr. Doch zu verstecken braucht sich Pouget nicht. Der Wein machte Spaß, auch wenn er nicht ganz an die vorherigen Qualitäten anknüpfen konnte.
In der Nase machen sich Noten von Holz und Tabak bemerkbar. Dann aber auch süßes Beerenkonfit. Die leicht erdigen Noten waren auch hier zu vernehmen.
Am Gaumen zeigte sich der Wein sehr saftig, würzig, mit tollem Schmelz und guter Länge. 89 Ingo-Punkte.

Château Palmer 3ème Grand Cru Classé – Margaux
Das Château Palmer wäre heute sicher ein ganz enger Kandidat für die Vergabe der Klassifizierung 1er Grand Cru, wenn man sich von französischer Seite her endlich einmal dazu durchringen könnte, die verstaubte Klassifizierung von 1855 mal ordentlich zu überarbeiten. So lange dies nicht geschieht, kann man Palmer getrost als das beste dritte Cru bezeichnen. Ist ja auch schon mal was. Die Preisgestaltung indes liegt mittlerweile auf Augenhöhe mit den Premiers, was folglich bedeutet, dass Palmer nun auch zu den nahezu unerschwinglichen Weinen gehört. C’est la vie!
Palmer war schon großes Kino: Eine wunderbare, intensive und opulente Nase nach Tabak, Leder, feinem Holz und kräftiger Kirschfrucht wurde begleitet durch eine Nuance Tee. Am Gaumen wieder kirschige Frucht, Kraft und Finesse, toller Schmelz und ein rotbeeriges, sehr schönes Finale. 92 Ingo-Punkte.

Château Pichon Comtesse Lalande 2ème Grand Cru Classé – Pauillac
Zur Comtesse hat der Weinschreiber ein gespaltenes Verhältnis. Sie kann richtig gut sein. Oder einfach nur grottig, wie der Jahrgang 2005, den der Weinschreiber seinerzeit als die Enttäuschung der gesamten ProWein beschrieb. Doch auch bei diesem Wein hatte die Runde Glück. Denn der 97er machte richtig viel Spaß und gehörte zu den besten Weinen des Abends.
Aromen von Trüffel, Schokolade, eine erdige, dann auch florale Charakteristik, fein getoastete Noten. Auch am Gaumen kraftvoll, dabei finessenreich, ein Maul voll Wein, opulente Frucht. Die Tannine sind bereits perfekt eingebunden und verleihen dem Wein seine schöne Reife. 93 Ingo-Punkte.

Château Grand Puy Lacoste 5ème Grand Cru Classé – Pauillac
1855 als fünftes Cru klassifiziert, gehört auch Grand Puy Lacoste zu den besseren Werten des Bordeaux. Im Gegensatz zu vielen andern Châteaux ist Grand Puy Lacoste auch heute noch unter realistischen Einkaufsbedingungen bezahlbar. Der Bankraub ist hier nicht notwendige Voraussetzung, um in den Genuss einer oder mehrerer Flaschen dieses wirklich gelungenen Weins zu kommen.
Der Wein zeigte sich mit einer kräftig würzigen Komponente, feine Nuancen nach Holz, Johannisbeere, dunkle Beeren. Ein von der Frucht getragener Wein, schön ausbalanciert, saftig opulent – schlicht auf der Höhe seiner Zeit. Auch der Abgang kann überzeugen. 92 Ingo-Punkte.

Einer geht immer noch…

Da Weinliebhaber aber bekanntlich nach solchen Proben auch schon mal kein Ende finden, wurde sozusagen zum Digestif ein Château Tour de By 2000 aus der Magnum geöffnet. Der Weinschreiber trat nach Ende der offiziellen Probe in einen Streik, so dass aus dem Weinschreiber der Weingenießer wurde. Die 88 Ingo-Punkte für den Wein lassen sich durch die fehlenden Notizen in Verbindung mit der vorgerückten Stunde leider nicht mehr in entsprechende Prosa verpacken.

Fazit
Der Bordeaux Jahrgang 1997 präsentierte sich viel besser als erwartet. Natürlich gab es auch in dieser Probe den einen oder anderen Wein, der bemerkenswert war. Bemerkenswert durchschnittlich. Aber die Mehrzahl der Weine präsentierte sich mit hoher Qualität und wunderbarer Reife. Die 97er befinden sich derzeit sicher zum großen Teil auf ihrem Höhepunkt und werden nicht mehr besser.
Was man den Bordeaux der 90er Jahre aber sicher zugestehen kann, ist durch die Bank ein moderater Alkoholgehalt. Teilweise 12% vol. bis 12,5% vol. Alkohol ließen mehr Platz für Finesse und setzten nicht darauf, mit vordergründigen Primäraromen Wirkung zu erzielen.
1997 war sicher kein Spitzenjahrgang, so viel ist klar. Aber die Weine haben sich in einer sehr guten Form präsentiert, so dass man 1997 sicher zu den sehr guten Jahrgängen zählen darf.

CU

Schachtzeichen

Autor: | Zeit: 20:55 Uhr | Rubrik: Ruhr 2010

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13. Mai 2010

Kulturhauptstadt 2010: Essen

Autor: | Zeit: 19:44 Uhr | Rubrik: Ruhr 2010

Inseln im Baldeneysee, besser bekannt als das Ruhr Atoll - eine Aktion im Rahmen der Veranstaltungsreihe Kulturhauptstadt Europa 2010:

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CU

9. Mai 2010

(W)einkauf in Bernkastel

Autor: | Zeit: 16:35 Uhr | Rubrik: Wein

null Wer einmal in Bernkastel verweilt, sollte sich auch mal die Zeit nehmen, einen Blick in die historischen Gewölbekeller des St.-Nikolaus-Hospitals zu werfen, in denen die Mosel-Vinothek ca. 160 verschiedene Weine zum Verkosten und Kaufen anbietet.

Die Mosel-Vinothek bietet hier sicher nicht die Crème de la Crème des Moselweinbaus an. Trotzdem kann sich der interessierte Besucher mit den angebotenen Weinen einen guten ersten Überblick über die Weinregion Mosel verschaffen. Vom Qualitätswein über Kabinette bis hin zu Spät- und Auslesen und sogar auch Beeren- und Trockenbeerenauslesen sowie Eisweinen kann man hier gegen eine Pauschale von 15,- € verkosten. Die Pauschale hält der Weinschreiber für mehr als moderat. Denn leider können nur so diejenigen abgeschreckt werden, die solche Angebote gerne zum Einberufen inoffizieller Feiergelage nutzen. Die wirklich interessierten Weinliebhaber werden die Pauschale leicht verschmerzen und finden dann die Ruhe zum konzentrierten Verkosten der angebotenen Weine vor.

CU

7. Mai 2010

Rioja filigran? Rioja filigran!

Autor: | Zeit: 19:15 Uhr | Rubrik: Wein

null2003 starteten Tom Puyaubert, David Sampedro und Javier Gomez das gemeinsame Projekt Exopto. 8 Hektar Rebland wurden im Distrikt Rioja Alavesa erworben. Das Klima ist hier nicht so extrem wie in der Rioja Alta oder Baja und weist höhere Niederschläge auf. Das Weingut liegt in der Stadt La Guardia. Die Weinberge liegen auf über 600 m Höhe. Ein moderates atlantisches Kontinentalklima mit warmen Tagen und kühlen Nächten sorgt für die perfekten klimatischen Voraussetzungen für eine relativ langsame und feine Reifung der Reben. Dies sorgt dafür, dass die Weine frischer, fruchtiger und generell aromatischer ausreifen. Der karge Boden zwingt die Reben tief zu wurzeln, was der Qualität der Reben ebenfalls zuträglich ist. Dazu kommt das hohe Alter der Rebstöcke: 70 Jahre bei der Garnacha, 50 bis 90 Jahre beim Tempranillo und 30 Jahre beim Graciano. Das führt zwangsläufig zu niedrigen Erträgen. Aus 80% Tempranillo, 10% Graciano und 10% Garnacha werden somit gerade einmal knapp 7000 Flaschen des Exopto gewonnen.

Exopto Wine Cellar: EXOPTO 2007 DOC Rioja
In der Nase finden sich Aromen nach Sauerkirsche, Johannisbeere, Brombeere. Feinwürzige Noten und etwas Süßholz gesellen sich hinzu. Frisch wirkend, saftig, für spanische Verhältnisse geradezu filigran-elegant. Und doch entwickelt sich das Bouquet des Weins mit zunehmender Zeit an der Luft, wird komplexer, geradliniger.

Am Gaumen kann der Wein ebenfalls sehr schön überzeugen: Frisch, saftig, mit fruchtigen Noten von Sauerkirsche, Johannisbeere, Brombeere. Feine Zitrusnoten machen sich breit. Sehr elegant, mit schöner, deutlicher, jedoch perfekt in die gesamte Charakteristik des Weins eingebundenen Säurestruktur und bereits feinen, gut integrierten Gerbstoffen. Ein filigraner und doch komplexer Wein, eher eine erste Violine als ein Kontrabass. Eher Mozart als Wagner. Aber ein Wein, der durchaus in der Lage ist, auch in der Liga der Großen eine gute Rolle zu spielen. Der es versteht, den Gaumen spielerisch zu vereinnahmen und auch im langen Finale seine fruchtige Verspieltheit voll zur Geltung bringt. 92+ Ingo-Punkte.

CU

3. Mai 2010

Unfassbar - Teil 2

Autor: | Zeit: 16:49 Uhr | Rubrik: Wein, Der alltägliche Wahnsinn

Es scheint noch Weingüter zu geben, denen es zu gut geht, als dass sie ein reges Interesse am Verkauf ihrer Weine haben. So geschehen heute beim Weingut Martin Müllen in Traben-Trarbach. Um 11:40 Uhr schellte der Weinschreiber mit der Bitte, doch Weine verkosten und auch kaufen zu dürfen. Die Dame des Hauses empfing den Weinschreiber zunächst scheinbar freundlich und erklärte, dass Müllen derzeit Mittagpause habe und ab 15:00 Uhr wieder geöffnet sei. Aber der unrühmliche Höhepunkt war die Aussage, dass “Touris” dies gerne übersähen. Der Weinschreiber nebst Gattin könne ja um 3 wieder kommen.

Der Weinschreiber wird sicher noch oft die Region bereisen. Und dort auch Weine kaufen. Wie eben auch an diesem Wochenende geschehen. Aber sicher wird er keine Weine bei Müllen kaufen. Denn er möchte dort nicht mehr stören. Dort, wo die Mittagspause schon morgens beginnt.

CU

Unfassbar - Teil 1

Autor: | Zeit: 16:36 Uhr | Rubrik: Sport, Schalke

Löw berücksichtigt Kuranyi nicht für die WM in Südafrika. Natürlich hat das nichts mit dem berühmten Vorfall zu tun. Klar!

Irgendwie drängt sich beim Weinschreiber die Vermutung auf, dass Löw mittlerweile derjenige ist, dem die Professionalität in seiner Funktion als Bundestrainer abhanden gekommen ist. Nachdem Kuranyi sich wirklich extrem dumm verhielt (gebongt), halfen auch keine Worte der Entschuldigung und auch keine hervorragend gespielte Saision 2009/2010 mehr, um Jogi milde stimmen zu können. Wer einmal im Sandkasten mit Sand geworfen hat, darf halt nicht mehr mit Jogis Förmchen spielen.

Spielerisch kann Löw eigentlich nicht an Kuranyi oder Kießling vorbei. Seine etatmäßigen Spieler haben in der aktuellen Spielzeit alles andere als Überzeugt. Vereinstrainer sehen die Kloses, die Podolskis oder Gomez’ aktuell teilweise sogar nicht mehr als erste Garde des jeweiligen Kaders an. Aber für die Nationalmannschaft reicht es ja noch. Denn da zählen andere Kriterien als die Leistungsfähigkeit eines Stürmers.

Armes Fußballdeutschland…

CU

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