Nun stand also ein weiterer Bordeaux Jahrgang zur Verkostung bereit. Nach dem vermeintlichen Jahrhundertjahrgang 2005 sowie dem aus Sicht des Weinschreibers sehr interessanten Jahrgang 2006 wollte sich nun der allgemein als eher durchschnittlich eingestufte Jahrgang 2007 ebenfalls einer Prüfung unterziehen. Grund genug für den Weinschreiber, auch dieses Jahr wieder die Veranstaltung der SOPEXA mit der Union des Grands Crus de Bordeaux zu besuchen.
Dankenswerter Weise fand die diesjährige Präsentation der Bordelaiser Gewächse nicht – wie in den Vorjahren – in den Rheinterrassen, sondern direkt auf dem Messegelände statt. Der lästige Transfer zur Veranstaltung und wieder zurück zum Messegelände entfiel somit. Und auch der Veranstaltungsort war gut gewählt, war er doch viel geräumiger als der bisherige Veranstaltungssaal. Der von einigen Teilnehmern vermisste Blick auf den Rhein interessierte den Weinschreiber überhaupt nicht. Schließlich geht man zu solchen Veranstaltungen, um konzentriert Weine zu verkosten und nicht, um träumerisch die Schiffe auf dem Fluss zu zählen. So konnte sich der Weinschreiber also noch ausführlicher mit den großen Weinen des Bordeaux befassen.
Eines vorweg: Der Jahrgang ist heterogen. Viel Durchschnittliches wurde präsentiert. Aber es gab auch wieder viele interessante Tropfen zu verkosten. Einmal mehr zeigte hier die Appellation Saint-Julien, dass sie zu den Top Regionen im Bordeaux zählt. Die Léovilles sind und bleiben gute Deals. Aber auch das eine oder andere kleine Weingut konnte überzeugen.
Um sämtlichen Weinschreiber-kritischen Kommentaren wieder vorzubeugen, wiederholt der Weinschreiber gerne die Anmerkungen der letztjährigen Bordeaux Verkostungen:
1. Der Weinschreiber ist und bleibt – wie eigentlich jeder andere aufrichtige Weinverkoster auch – bei seinen Bewertungen stets subjektiv, auch wenn er versucht, möglichst objektiv zu bewerten. Dabei sollen die Punkte einen Richtwert aufzeigen. Sie erheben jedoch keinen Anspruch auf absolute und unwiderlegbare Wahrheit. Die Jahre werden zeigen, wie richtig der Weinschreiber die Weine im März 2010 eingeschätzt hat.
2. Der Weinschreiber trinkt noch keine vierzig Jahre Wein, kann also auf keine weit reichenden Erfahrungen oder vieljährige Beobachtungen hochklassiger Bordeaux verweisen. Die Verkostungsnotizen zum Jahrgang 2007 sind die eines interessierten, jedoch nicht allwissenden Verkosters.
3. Der Weinschreiber ist allerdings der (subjektiven) Meinung, dass sich ein hochklassiger Wein stets mit wahrnehmbarer Qualität zu präsentieren hat. Grüne Töne sind störend und führen zur Abwertung, weil die bisherige Erfahrung des Weinschreibers in Sachen Wein Grüntöne als ein sich später bewahrheitendes Zeichen minderer Qualität interpretieren lassen. Der Jahrgang 2007 offenbarte solche und solche Extreme. Ein unrühmliches Extrem fand der Weinschreiber leider beim Château du Tertre. Heftige Grüntöne, die nur schwer weg zu bekommen sein werden, führten hier zur Abwertung des Weins.
4. Der Weinschreiber sieht nach wie vor keinen Grund, den Bordelaiser Crus besondere Ehrfurcht entgegen zu bringen. Schließlich leben die Winzer vom Geld der Endverbraucher. Wenn dem Weinschreiber also etwas an einem Bordeaux nicht passt, wird es an entsprechender Stelle genannt.
5. Der Weinschreiber hat eine eigene Meinung. Diese kann auch von anderen Meinungen abweichen. Unfehlbarkeit gehört nicht zu den Tugenden des Weinschreibers. Allerdings auch nicht zu den Tugenden der anderen Verkoster.
6. Die Meinung einiger weniger selbsternannter Weinexperten, der gesamte Jahrgang wäre „absoluter Mist“ bzw. „grottenschlecht“, kann jedoch schlichtweg als absurd abgetan werden. Denn Weine sollten mehr sein als nur fette Fruchtbomben mit höchster Konzentration. Diese Erkenntnis setzt sich leider nicht bei allen Weinhändlern durch. Und so lange so gedacht wird, haben die Konzentrationsbomben immer noch eine Lobby zu Lasten der feinen, subtilen und eleganten Gewächse.
Und hier nun die subjektiv-objektive Wahrnehmung der vom Weinschreiber verkosteten Weine des Bordeaux-Jahrgangs 2007:
Pessac-Léognan
Château Carbonnieux 84
Domaine de Chevalier 85+
Château de Fieuzal 87
Château de France 81
Château Haut-Bailly 85
Château Haut-Bergey 87+
Château la Louvière 84
Château Latour-Martillac 84
Château Malartic-Lagravière 87
Château Olivier 87
Château Pape Clément 90
Château Picque Caillou 90 (tolle Neuentdeckung)
Château Smith Haut Lafitte 91
Saint-Emilion
Château Canon 91+
Château Canon-la-Gaffelière 92+
Château Figéac 92
Château Franc-Mayne 86
Château la Couspaude 87+
Château la Dominique 87
Château la Gaffelière 90
Château la Tour Figéac 89
Château Larmande 84
Château Trottevieille 91
Pomerol
Château Clinet 89
Château Gazin 91
Château La Cabanne 88
Château La Pointe 86
Listrac-Médoc
Château Clarke 86+
Château Fonréaud 85+
Château Fourcas Hosten 85
Moulis-En-Médoc
Château Chasse-Spleen 90
Haut-Médoc
Château Beaumont 85
Château Belgrave 86
Château Camensac 88
Château Cantemerle 89
Château La Tour Carnet 89
Médoc
Château Greysac 84
Château La Tour de By 86
Margaux
Château Brane-Cantenac 84
Château Cantenac Brown 85
Château Dauzac 85
Château Desmirail 84
Château du Tertre 79
Château Ferrière 84
Château Giscours 82
Château Kirwan 85
Château Labégorce 85
Château Lascombes 85
Château Marquis de Terme 87+
Château Prieuré-Lichine 88
Château Rauzan-Gassies 90
Château Rauzan-Ségla 89
Saint-Julien
Château Beychevelle 85+
Château Branaire-Ducru 86
Château Gruaud Larose 89+
Château Lagrange 91
Château Langoa Barton 92+
Château Léoville Barton 93+
Château Léoville Poyferré 92+
Château Saint-Pierre 89
Château Talbot 88
Pauillac
Château Batailley 88
Château Clerc-Milon 89+
Château Croizet-Bages 87
Château d’Armailhac 89
Château Haut-Bages Libéral 88
Château Lynch-Bages 87
Château Lynch-Moussas 85
Château Pichon-Longueville Comtesse de Lalande 90
Château Pontet-Canet 86
Saint-Estèphe
Château Cos Labory 89
Château de Pez 88
Château Ormes de Pez 88
Château Phélan Ségur 91+
Sauternes/Barsac
Château Coutet 90
Château de Fargues 91
Château Doisy Daëne 91
Château Guiraud 94
Château La Tour Blanche 89
Château Lafaurie-Peyraguey 91
Das waren die vom Weinschreiber verkosteten Weine. In knapp vier Stunden konzentrierter Verkostung ein sehr umfangreiches, jedoch sicher machbares Programm. Im Anschluss an die Veranstaltung gönnte sich der Weinschreiber dann erstmal ein nicht alkoholisches Getränk: Ein Glas Milch.
CU
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