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Das Weinparlament

25. Juli 2007

Reifer Poully Fumé?

Autor: | Zeit: 21:00 Uhr | Rubrik: Wein

Das ist jetzt doch etwas überraschend! Da findet der Weinschreiber einen schon im Weinkeller vergessenen 2004er Poully Fumé - und der wirkt noch richtig frisch! Kaum zu glauben. Aber man muss sagen, dass der Guy Saget Poully-Fumé 2004 gar nicht so schlecht ist. Gut, vor zwei Jahren hat er bestimmt noch frischer gewirkt. Aber absolut trinkbar ist er immer noch. Nur: Woher hat der Weinschreiber die Flasche? Keine Ahnung! Egal. Genießen. 82 Ingo-Punkte sind allemal drin!

CU

23. Juli 2007

Unvergessliche Abende

Autor: | Zeit: 19:55 Uhr | Rubrik: Wein, Essen & Trinken

Das war mal ein richtig schöner Samstag! Eingeladen von einem Weinfreund ging es Richtung Grenze zu den Niederlanden. Zwar nicht ganz rüber, aber schon nahe dran. Geplant war eine nette Grillrunde und ein Tag des offenen Weinkellers. Also ein Motto, wie es schöner nicht sein konnte: Genuss aus allen Rohren!
Nach einem sonnigen Tag vor, durch und hinter der Grenze wurde am späten Nachmittag „Feuer Frei“ gegeben, nicht ohne natürlich mit einem ersten Glas frischen Rieslings das Kommende adäquat einzuläuten.
Die enorme Menge des vorhandenen Grillguts ließ kurzfristig die Befürchtung aufkeimen, dass das Argentinische Rind neuerdings zu den bedrohten Tierrassen gezählt werden muss. Hier zählt nun wohl erstmal vorsichtiges Nachzüchten, denn was im Verlauf des Abends auf den Grill geworfen wurde, hatte schon Herdencharakter.
Was dann nach und nach in die Gläser kam, ist mehr als nur wenige Zeilen wert. Aber der Reihe nach:

Schloss Lieser: „Riesling trocken 2006“
Glasklare, frische Nase nach grünem Apfel, leicht herb wirkend, noch etwas grün, jedoch mit gutem Biss. Am Gaumen mit sehr schöner Mineralik, feingliedriger Struktur, gutem Biss und mittlerer Länge. Ein sehr schöner Auftakt! 82 Ingo-Punkte.

Manz: „Oppenheimer Sackträger Riesling Spätlese trocken ‚M’ 2002“
Leicht rauchig wirkend, speckige Note, feine Reifenoten. Dann auch getrocknete Früchte. Am Gaumen mit sehr eleganter Struktur, wieder etwas Speck, einer feinen Säureummantelung und gutem Druck. Im Abgang wieder rauchig und mit mittlerer Länge. 86 Ingo-Punkte.

St. Urbanshof: „Ockfener Bockstein Riesling Kabinett 2006“
Eine reine Pfirsichbombe! Herrlich zu schnuppern! Sehr druckvolle Nase, kraftvolle Frucht, sehr rein und klar strukturiert. Am Gaumen mit sehr schönem Druck, wieder Pfirsichnoten dominierend, mit toll eingebundener Säurestruktur. Ein sehr elegant-ausgewogener Wein mit schönem Schmelz und sehr guter Länge. 88 Ingo-Punkte und wieder einmal der Beweis, dass guter Wein keine Alkoholbombe sein muss. Denn mit gerade einmal 9% vol. ist der Ockfener Bockstein ein echtes Leichtgewicht.

Schloss Lieser: „Riesling 2006“
Glasklare, exotisch anmutende Nase, Maracuja vorne, dann auch reifer Apfel. Später auch Aprikose und Ananas. Sehr saftig, süffig, mit wunderbaren Fruchtaromen. Am Gaumen sehr sauber, schöner Druck, tolles Zusammenspiel von Frucht und Säure und langes Finish. 88 Ingo-Punkte.

Fattoria Ispoli: „Chianti Classico Riserva 2000“ aus der Magnum genossen.
Sehr typische Nase, rote Beeren, Tabak, feinwürzig in seinem Charakter. Dann auch Pflaume, Blaubeere. Am Gaumen mit einer sehr eleganten Säurestruktur, herrlich mürben Tanninen und einer geradlinigen, trockenen Struktur. Sehr schöner Biss, hinten heraus auch noch Aromen von Kakao und Liebstöckel. Auch im Abgang schön lang! 90 Ingo-Punkte.

Barone Ricasoli: „Casalferro 1997“
Wieder so ein gut gelungener Italiener! Aromen von Amarenakirsche, Liebstöckel, Marzipan. Später gesellt sich auch Brioche hinzu. Die mürben Tannine, verbunden mit einer feingliedrigen Säurestruktur und einer ausgewogenen Fruchtigkeit machen den Wein zu einem herrlichen Erlebnis. Auch das Finish ist von sehr schöner Länge. 93 Ingo-Punkte.

Mont du Troit: „Le Sommet 1998“
Dann diese Aromenbombe. Le Sommet hat von allem etwas: Süße, dunkle Waldbeeren, Brombeeren, Blaubeeren, Pflaume, Piemontkirsche. Dann auch Leder, Toffée, Kaffee, Zedernholz, pfeffriger Rauch. Ein ungemein komplexer, vollmundiger Wein, ein elegantes Powerteil, leicht erdig-torfig wirkend, Marzipan, Druck pur. Finessenreiche Wucht sozusagen. Ich notiere zum Abschluss: Denkwürdig langer und wunderbar ausgewogener Abgang. 97+ Ingo-Punkte.

Carruades de Lafite 1996
Klassischer Babymord. Aber was da mal kommen wird, konnte die Runde schon heuer erkennen. Reifes Holz im Vordergrund. Aber dahinter rote und dunkle Beeren, Graphit, Olive, weißer Pfeffer. Sehr extraktreich, fast cremig in seiner Struktur, mit sehr schönen Röstaromen, vor allem geröstetes Brot. In seiner gerade zugenagelten Phase schwer zu bewerten Trotzdem 90++ Ingo-Punkte.

Hundsdorfer: „Cabernet Sauvignon 2002“
Da wurde ein wenig diskutiert. Nicht über die Qualität! Da war man sich einig. Die stimmte absolut. Nur diese winzig kleine Klebstoffnote. War sie nun da oder nicht? Der Chronist hat hier die Tasten in der Hand und hat diese Note vernommen. Also: Ja. Daneben aber sehr schöne Aromen von Pflaume, Kirsche, Cassis und Blaubeere. Konzentrierte Schokoaromen gesellen sich hinzu. Mit der Zeit gewinnt der Wein ungemein an Struktur im Glas hinzu. Eigentlich auch etwas sehr jung – aber die Neugier siegt. Auch die Pattexnote schwindet mit der Zeit von dannen. Im Finale dann leicht lakritzige Noten. Das wird auch noch ein Hammerteil! 90+ Ingo-Punkte.

Château Pichon Longueville Comtesse de Lalande 1997
Der letzte, schriftlich festgehaltene Wein des Abends. Cassis, Liebstöckel, Blaubeere. Dann auch feines Holz. Am Gaumen mit einer kräftigen Säurestruktur, einer feinen, frischen Vanillenote und einer insgesamt knackigen Charakteristik. Im weiteren Verlauf dominieren zunehmend Cassis und der Hauch frischen Holzes. Der zu Beginn mittellange Abgang gibt sich zum Schluss auch noch mehr Mühe, so dass der Wein noch richtig Spaß macht. 90 Ingo-Punkte, verbunden mit der Vorfreude auf noch einige andere 97er, die derzeit auf den Korkenzieher warten. Der Jahrgang hat absolut seine – klassische – Daseinsberechtigung!

Nach der roten Weinorgie gab es noch Edelsüßes im Glas. Nur fehlen dem Chronisten hierzu die Aufzeichnungen. Irgendwann geht es einfach nur noch ums Genießen. Auch ein Weinschreiber legt den Stift ab und zu mal zur Seite. Besonders dann, wenn der Abend so wunderbar war, wie der letzte Samstag.

Dem Gastgeber sei an dieser Stelle der herzlichste Dank für die schöne Organisation, die kredenzte Rinderfarm und die hervorragenden Weine ausgesprochen. Revanche folgt!

CU

18. Juli 2007

d’Aurilhac 2000

Autor: | Zeit: 19:02 Uhr | Rubrik: Wein

Ein herrlicher Wein, der sich gerade im Glas befindet. Und vor allem noch bezahlbar! Denn das Château d’Aurilhac macht nicht nur mit seinen Qualitäten, sondern vielmehr auch durch seine sehr moderate Preisgestaltung positiv auf sich aufmerksam. Denn für diesen Haut-Médoc muss man nicht wirlich tief in die Geldbörse greifen.

Château d’Aurilhac 2000
Klar! Das ist kein Premier Crû! Aber wahrlich auch kein schlechter Wein! In der Nase machen sich Aromen von dunklen Beeren, etwas verbranntem Gummi, Graphit und - klar bei dem Wetter - auch leicht alkoholische Noten breit. Doch trotz der Hitze wirkt der Wein in der Nase zwar nicht wie ein Leichtgewicht, trotzdem aber auch nicht erschlagend.
Am Gaumen dann präsentiert sich der d’Aurilhac als typischer Vertreter seiner Region, dunkelbeerig, ansatzweise kirschig, vor allem aber feingliedrig und doch gleichzeitig auch vollmundig-saftig. Auch im Abgang durch schöne, sauberer Länge gekennzeichnet. Ein Wein, der sich gerade erst seinem Höhepunkt nähert und noch einige Jahre Spaß machen wird. Für den Weinschreiber sehr gute 87 Ingo-Punkte.

CU

Kodak

Autor: | Zeit: 18:20 Uhr | Rubrik: Der alltägliche Wahnsinn

Da wollte der Weinschreiber für den anstehenden Urlaub eine kleine, praktische Kamera kaufen, schon ergeben sich wieder einmal Probleme mit dem Hersteller. Erworben werden sollte eine Digitalkamera, geordert direkt bei Kodak. Angegebener Liefertermin voraussichtlich der 6. Juli. Stillschwiegend - ohne natürlich die betroffenen Kunden zu informieren - wurde der Termin auf der Webseite zunächst auf den 16. Juli und heute schließlich auf den 23. August verschoben. Kundeninformation? Gleich NULL! Aber das Geld wurde natürlich pünktlich eingezogen. Das klappt immer!
Der Auftrag wurde natürlich vom Weinschreiber storniert. Denn was für einen Sinn macht die Kamera, wenn sie kurz nach Ende des Urlaubs zu Hause eintrifft? Die Bestätigung der Stornierung steht - natürlich - wieder mal aus. Aber da hat der Weinschreiber zum einen einen langen Atem und zum anderen eine entsprechende Rechtschutzversicherung!

Dass Deutschland aber auch (fast) immer eine Servicewüste sein muss…

KODAK? NEIN DANKE!!! Vor diesem Kundendienst kann der Weinschreiber nach seinen Erfahrungen nur warnen!!!

CU

11. Juli 2007

Passend zur Hitze

Autor: | Zeit: 18:11 Uhr | Rubrik: Wein

Da es mal wieder so unglaublich „heiß“ ist – derzeit ca. 14°C – hat sich der Weinschreiber heute für einen eher „frischen“ Wein entschieden:

d’Arenberg: „The Stump Jump 2004“
Purpurrot schimmert der Wein im Glas. In der Nase machen sich typische Aromen von Eukalyptus, Brombeere, Maulbeere, vielleicht etwas Pfeffer. Ein fleischiger Eindruck, begleitet von Noten nach Lakritze. Diese Nase geht blind als Australier durch.
Am Gaumen präsentiert sich der Wein mit einer erstaunlich festen Säurestruktur, mürben Tanninen und einem saftig-beerigen Charakter. Auch im Abgang beerig, druckvoll, lang. Insgesamt ist diese Cuvée aus Grenache und Mourvèdre ein Wein für die kälteren Tage, ganz so, wie wir es im hiesigen Hochsommer erleben. 84 Ingo-Punkte

CU

7. Juli 2007

Was nicht so alles ins Glas kommt…

Autor: | Zeit: 21:06 Uhr | Rubrik: Wein

Heute gab es ein thailändisches Gemüsecurry. Und was gab es dazu? Keine Sorge! Keinen Médoc! Heymann-Löwensteins Schieferterrassen 2005 sollten es sein. Und diese Kombination passte perfekt: Orientalisch-würziges Essen mit ordentlicher Schärfe traf auf einen wunderbar ausgereiften Riesling mit hoher Typizität, leicht exotisch wirkend, sehr elegant, druckvoll und perfekt auf das Essen abgestimmt. 88 Ingo-Punkte für diesen sich hervorragend präsentierenden Tropfen!

Doch ohne Bordeaux sollte der Abend nicht in Gänze begangen werden. Und so gab es etwas Gereiftes ins Glas.

Château Bel Air Marquis d’Aligre Grand Cru Exceptionnel 1986
Der Wein schimmert kaminrot mit zum Rand des Glases hin leicht hellroten Reflexen. In der Nase machen sich reife, sehr saubere Aromen von rotem Tee, Hagebutte, Liebstöckel und Sauerkirsche breit. Ein Hauch Gummi und Port sind auch vernehmbar, dann auch deutlicher trockenes Unterholz und im weiteren Verlauf auch Holunderbeere.

Am Gaumen dann präsenteirt sich der Wein sehr reif, nicht unbedingt klassisch, mit Aromen von Hagebutte und roten Beeren. Von seiner Struktur her elegant, erinnert der Wein eher an einen Barolo als einen Margaux. Keine süße Würze, die man sonst als Typizität eines gereiften Bordeaux’ vernehmen möchte, keine Noten des kleinen Holzes. Nichts. Eher die Form klassischer piemonteser Gewächse, die im großen Fass ausgebaut wurden.

Nach Hinten heraus findet ein echter Bruch statt. Anstelle eines schönen Abgangs findet sich ein leicht wässrig wirkendes Finish, welches nicht so recht zu überzeugen vermag.

Vielleicht auch als Referenz des Alters vergibt der Weinschreiber hier 86 Ingo-Punkte und meint, dass der Wein sicher ein richtig guter Tropfen ist. Nur fehlt es ihm an Typizität und Länge. Schade eigentlich, war der Wein keine wirklich günstige Anschaffung.

CU

5. Juli 2007

VDP Aktuell

Autor: | Zeit: 09:53 Uhr | Rubrik: Wein

Steffen Christmann neuer Präsident der VDP Prädikatsweingüter
Führungsriege erweitert

Gimmeldingen, Weinsberg: Neuer Präsident des Verbandes VDP. Die Prädikatsweingüter ist Steffen Christmann. Der 42jährige Winzer aus Gimmeldingen in der Pfalz wurde auf der VDP- Mitgliederversammlung im Staatsweingut Weinsberg am 4. Juli 2007 einstimmig zum Nachfolger von Michael Prinz zu Salm-Salm gewählt, der nach 17 Amtsjahren die Zeit für einen Generationswechsel gekommen sah und nicht zur Wiederwahl antrat.

Die Mitgliederversammlung beschloss ferner eine Erweiterung des Präsidiums auf sechs Mitglieder, um die Arbeit des Präsidenten auf mehrere Schultern zu verteilen. Michael Graf Adelmann (Graf Adelmann, Kleinbottwar) und Reinhard Löwenstein (Heymann-Löwenstein, Winningen) wurden als Präsiden bestätigt. Neu hinzugekommen sind Armin Diel (Schlossgut Diel, Burg Layen), Paul Fürst (Rudolf Fürst, Bürgstadt), Joachim Heger (Heger, Ihringen) sowie Wilhelm Weil (Robert Weil, Kiedrich). Dieser Beschluss trägt der enorm gestiegenen Bedeutung der Prädikatsweingüter während der Amtszeit von Prinz Salm Rechnung.

Steffen Christmann tritt sein Amt mit klaren Zielvorstellungen an: Zunächst wird er das Jahrhundertwerk der Klassifikation, das von seinem Vorgänger, Prinz zu Salm-Salm 1992 begonnen wurde, konsequent umsetzen. Wichtig ist ihm auch das Eliteversprechen der Prädikatsweingüter im deutschen Weinbau durch zeitgemäße Qualitätsstandards zu präzisieren. Hoch oben auf der Prioritätenliste stehen außerdem die Mitgliedsbetriebe für Nachhaltigkeit im Weinbau zu sensibilisieren und der einhundertste Geburtstag des Verbandes im Jahr 2010.

Prinz Salm trat sein Amt 1990 mit ehrgeizigen Visionen an, auf deren erfolgreiche Umsetzung er nun zurückblicken kann: Um ein kontinuierlich hohes Qualitätsniveau aller Mitgliedsgüter zu garantieren, etablierte er eine strenge Betriebsprüfung analog der VDP-Satzung. Er wollte den VDP-Adler als Markenzeichen der besten deutschen Weine über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt machen. Nach 17 Jahren liegt der Bekanntheitsgrad in den Fach-Zielgruppen bei 100 Prozent. Aus einer der ältesten Weinbaufamilien Deutschlands stammend, lag Prinz Salm der Erhalt des deutschen Weinkulturerbes besonders am Herzen. Mit der Erarbeitung einer Lagenklassifikation wurden die besten Terroirs Deutschland definiert und mit der Ausrichtung auf naturgemäßen Weinanbau dafür gesorgt, diese für die kommenden Generationen zu erhalten. Als Dank für sein unermüdliches Engagement „im Zeichen des Adlers“ wurde ihm die Bronzeplastik „Adler“ des Künstlers Werner Franzen überreicht.

Der neu gewählte Präsident der Prädikatsweingüter, Steffen Christmann: „Ich betrachte die gegenwärtigen Aufbruchstimmung im deutschen Weinbau als Rückenwind für meine Aufgaben als VDP-Präsident. Ich hoffe, dass es mir gemeinsam mit meiner Führungsmannschaft gelingt, die Prädikatsweingüter fit für das nächstes „VDP-Jahrhundert“ zu machen, und so auch die wirtschaftliche Zukunft unserer Güter zu sichern.“

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