So langsam aber sicher kommen sie, die Pakete, Kisten, Flaschen aus dem wohl berühmtesten Weinanbaugebiet der Welt: Bordeaux. Was liest man nicht alles über das Jahr verteilt über die Weine, was wünscht man sich nicht immer wieder einen Goldesel, steht man gerade mal wieder vor den Moutons, Lafites, Latours, Haut Brions oder Margaux’ verschiedenster Jahrgänge.
Warum?
Weil sie einfach gut sind. Nicht nur gut, sondern genial!
Ob dieses Prädikat auch dem Jahrgang 2003 zugeschrieben werden kann, sollte eine heutige Verkostung klären.
Château d’Escurac 2003 (Médoc)
Ein sehr Bordeaux-typischer Wein. Man merkt schon in der Nase diese Verbindung von feinem Holzeinsatz und jugendlich-frischer Beerenfrucht. Dunkle Beeren stehen dabei im Vordergrund, dann Graphit, etwas Pflaume, Zartbitterschokolade. Am Gaumen präsentiert sich der Médoc mit schönem Druck und einer wirklich guten Länge! 86 Ingo-Punkte und so viel Interesse, dass ich ihn gerade aus der Flasche nachverkoste.
Château Bernadotte 2003 (Médoc)
Reife Kirschen, Süßholz, Pflaume. Die Aromen wirken sehr schön integriert. Dann auch Brot, Teer, Toffée. Ein saftig geprägter Wein mit einem schönen Finale. 87 Ingo-Punkte.
Château d’Aurilhac 2003 (Haut-Médoc)
Der Wein verströmt ein Aromenspektakel von frischen Kräutern, Pflaume, Holz. Sehr ausgewogen und dicht. Am Gaumen dann feine Tannine, jugendliche Frucht, ausgewogener Saft. Ein toller Wein mit einem langen Abgang. 89+ Ingo-Punkte.
Château Cambon La Pelouse 2003 (Haut-Médoc)
In der Nase steigt Rauch auf - im wahrsten Sinne des Wortes. Dann macht sich eine würzige Frucht breit, leicht olivige Töne, die vom gekonnten Holzeinsatz kommen. Ein sehr dichter, geradezu opulenter Wein, der auch am Gaumen mit einer kraftvoll-beerigen Struktur aufweisen kann. Auch die Tannine versprechen noch viel Spaß, sind sie doch wunderbar ins Gesamtbild des Weins integriert. Auch im Abgang voll überzeugend! 90 Ingo-Punkte.
Château Charmail 2003 (Haut-Médoc)
In der Nase wirkt der Wein zunächst verhalten, dann macht sich eine feine Kirscharomatik breit. Aber auch am Gaumen hält sich der noch junge Wein zurück, das aber mit sehr guten Aussichten, nochmal richtig gut zu werden! Die deutlichen Tannine versprechen zwar Langlebigkeit, stellen sich in der jetzigen Verfassung jedoch deutlich vor die Finesse des Weins. 86 Ingo-Punkte.
Château Langoa Barton 2003 (Saint-Julien)
Die Bartons sind für mich eigentlich immer eine Bank, wenn es um die Auswahl eines Bordelaiser Gewächses geht. Aber hier und heute merke ich schon, dass diese Weine eher auf Langlebigkeit ausgelegt sind. Im Auftakt präsentiert sich der Langoa sehr krautig-würzig, gepaart mit knackig-beeriger Frucht, Kirsche. Ein Baby mit knackigen Tanninen, die mir zurufen: “Lass mich in Ruhe!” Aber ich merke auch schon jetzt, dass da was richtig Leckeres heran reift! 86+ Ingo-Punkte mit Tendenz zu viel mehr!
Château Pontet Canet 2003 (Pauillac)
Die Appelation Pauillac gehört zu den absoluten Gewinnern des Jahrgangs 2003! Das zeigen mir sämtliche, heute verkostete Weine. Angefangen beim Pontet Canet. Opulente, dunkle Waldbeeren, viel süßer Saft. Auch der Holzeinsatz ist fein abgestimmt. Am Gaumen macht sich dann wieder feine, süße Frucht breit, auch Aromen heller Schokolade. Die Tannine sind bereits gut integriert, bieten aber in ihrer Struktur noch Garantie für einige Jahre Trinkfreude. Auch im Finish ist der Wein toll gelungen. 92 Ingo-Punkte.
Château Duhart-Milon 2003 (Pauillac)
Duhart-Milon ist für mich ein Wein, der viel zu oft völlig unterschätzt wird. Es liegt vielleicht an der Appelation, in der er liegt. Mit Mouton, Latour, Lafite und co. hat er aber auch Granaten vor sich liegen, die eine Koexistenz recht schwierig machen. Nichts desto trotz handelt es sich beim Jahrgang 2003 um einen sehr gelungenen Wein, den es zu beachten gilt. In der Nase getoastetes Holz, dunkle Waldbeeren, Toffée, Schokolade und feinstes Holz. Ein hedonistischer Wein, dessen Struktur am Gaumen die Sehnsucht der Nase aufzufangen in der Lage ist. Ein toller Wein! 90+ Ingo-Punkte.
Château Lynch-Bages 2003 (Pauillac)
Heil’ges Bläschle! Des is a Woi! Aromen nach Kuchen, süßer Kirsche, feinster Schokolade und vom Holz herrührende Vanille. Ein extrem eleganter Wein, leicht getoastete Nuancen offerierend, dann aber auch Karamell. Ungemein dicht und komplex, sozusagen kraftvolle Eleganz pur! Und der Abgang? Sensationell… 94+ Ingo-Punkte.
Château Pichon-Longueville 2003 (Pauillac)
Der Wein kommt zwar aus der gleichen Appelation wie seine Vorgänger, präsentiert sich jedoch irgendwie völlig anders. Nicht schlechter oder besser. Nur anders. Aromen von Graphit, Schiefer, Teer. Also sehr mineralisch geprägt. Dann aber auch dunkle Waldbeeren. Ein sehr kräftiger Stoff, kirschig und auch mit super ausgewogener Struktur versehen. Finish? Lang - wie sonst im Pauillac 2003? 91 Ingo-Punkte.
Derweil ich diese Zeilen schreibe, beobachte ich natürlich den d’Escurac weiterhin sehr interessiert. Nach einer qualitativ sehr hochwertigen Verkostung macht er trotzdem eine gute Figur. Vielleicht sogar noch besser, als auf der ebigen Verkostung. Ich denke, er kann es durchaus mit dem Bernadotte aufnehmen. 88 Ingo-Punkte wären sicherlich auch vertretbar. Und unter dem Eindruck des Presies von knapp 12 Euronen auch eine absolute Kaufempfehlung!
CU
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Die Bodegas Valdemar ist ein alt eingesessener Familienbetrieb. Seine Wurzeln reichen zurück bis ins Jahr 1889. Der heutige Besitzer, Jesus Martinez Bujanda, leitet das Weingut gemeinsam mit seinen Kindern Ana und Carlos. Und dies auch sehr erfolgreich, wie der aktuelle Wein der Woche beweist.
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